Hier stellt BlackRock regelmäßig kurzfristige Beschreibungen der aktuellen Marktlage, Volkswirtschaften, Aktienmärkte, Anlageklassen oder Sektoren ein.

Dieser aktuelle Kommentar basiert auf den Einschätzungen folgender leitender Investmentspezialisten von BlackRock: Robert Fairbairn, Leiter der Global Client Group, Ewen Cameron Watt, leitender Investmentstratege des BlackRock Investment Institutes, Scott Thiel, stellvertretender Chief Investment Officer der Fixed Income-Abteilung, Russ Koesterich, leitender Global Investment Strategist von iShares, Peter Fisher, Leiter des Fixed Income Portfolio Managements, und Nigel Bolton, Leiter des europäischen Equity Style Diversified Teams.

Hintergrund

  • Auslöser der aktuellen Turbulenzen im Zusammenhang mit der Schuldenkrise an der Peripherie der Eurozone war die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) planmäßig durchgeführte Überprüfung Griechenlands, die eine Debatte über eine Laufzeitenverlängerung ausgelöst hat. Die aber wird von den Ratingagenturen äußerst skeptisch beurteilt. Unlängst hatten alle großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit Portugals, Irlands und Griechenlands erneut herabgestuft. 
  • Zwar hat das Parlament in Athen weiteren Sparmaßnahmen in Höhe von 28 Milliarden Euro als Voraussetzung für die Freigabe der nächsten Tranche aus dem Hilfspaket von Europäischer Union (EU) und IWF zugestimmt. Eine langfristige Lösung ist aber nach wie vor nicht in Sicht.
  • Ein deutsch-französischer Lösungsvorschlag, der bereits mit EZB-Präsident Trichet abgesprochen ist, soll am 21. Juli auf dem EU-Gipfel vorgestellt werden, wobei zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt ist, inwieweit private Investoren an einem weiteren Hilfspaket für Griechenland beteiligt werden könnten. Gleichzeitig hatten Vertreter der deutschen Bundesregierung erneut einen Anleihetausch gefordert. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) stieß diese Forderung jedoch auf wenig Gegenliebe. 
  •  Die EZB besteht ihrerseits darauf, alles zu vermeiden, was ein Kreditereignis zur Folge hätte. Am 7. Juli erklärte EZB-Präsident Trichet: „Wir sagen Nein zu einem begrenzten Zahlungsausfall oder einem Kreditereignis: Punkt.“ Derweil nehmen die Sorgen über die Qualität der Vermögenswerte in der Bilanz der EZB zu. Die hatte in erheblichem Umfang schwache griechische Anleihen als Sicherheit für gewährte Kredite akzeptiert.


Gefahr einer Ansteckung

  • Die hohe Unsicherheit über den Ausgang der Krise hat die Gefahr einer Ansteckung erhöht und zu vermehrten Schwankungen und Illiquidität am Markt geführt. Vor allem Portugal und Irland dürften durch einen Zahlungsausfall Griechenlands erheblich unter Druck geraten. Aber auch die Stimmung der Anleger gegenüber Italien und Spanien hat sich merklich eingetrübt. Besonders Besorgnis erregend ist der jüngste Renditeanstieg bei italienischen und spanischen Anleihen, der jedoch bislang weit hinter dem griechischer und portugiesischer Staatspapiere zurückbleibt. Im Gegenzug ist die risikolose Rendite deutscher Bundesanleihen gesunken. Am 5. Juli stufte Moody’s die Kreditwürdigkeit Portugals auf Ba2 herab, während Fitch sein Langfrist-Rating für griechische Anleihen auf CCC senkte.
  • Unter der Angst vor einer Ansteckung leidet derzeit vor allem Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Italiens Anteil am Anleihemarkt der Währungsunion beläuft sich auf 25%. Zum Vergleich: Spaniens Anleihen machen rund 15% aus. In den letzten Wochen ist Italien zunehmend zum Spielball der Märkte geworden, getrieben von der Angst vor systemischen Risiken und vor einer Ansteckung. Wenig hilfreich waren zudem politische Querelen und die Mitte Juni erfolgte Ankündigung von Moody’s, das Rating italienischer Anleihen von aktuell Aa2 wegen einer möglichen Herabstufung auf die Beobachtungsliste zu setzen.
  • Sollte die Krise auf Spanien und Italien übergreifen, hätte das gravierende Folgen für die Eurozone und die EZB. EU, IWF und EZB können zwar den überschuldeten kleineren Ländern finanziell unter die Arme greifen. Die Hälfte des Euro-Anleihemarktes können sie aber beim besten Willen nicht stützen.


Lösung erfordert Einigung auf politischer Ebene

  • Eine langfristige Lösung ist nur auf politischer Ebene möglich und erfordert die Unterstützung aller 17 Mitgliedstaaten der Eurozone. Das aber sorgt für große Unsicherheit über den Ausgang der Krise, denn eine schnelle Einigung dürfte nur schwer zu erzielen sein.
  • Die Kreditnehmerländer mussten bereits einen Teil ihrer Souveränität an die Geberländer abtreten, und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Das Thema Transferunion wird bei den anstehenden Wahlen in Spanien und Frankreich im nächsten Jahr und 2013 in Deutschland eine wichtige Rolle spielen.
  • Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat am Abend des 15. Juli die Ergebnisse ihrer Stresstests europäischer Banken vorgelegt. Hieraus dürfte aber die tatsächliche Höhe der Risiken aus europäischen Staatsanleihen für EU-Banken kaum   hervorgehen.
  • Zu den schwierigen politischen Fragen gehört auch die der Wertberichtigung von Verbindlichkeiten staatlicher Emittenten sowie von Anleihen dieser Emittenten in den Bilanzen der Anleiheinhaber wie Banken und EZB. Viele Politiker scheuen indes davor zurück, dem Bankensystem eine solche Last aufzubürden.
  • Die Peripherieländer stehen vor unvermeidlichen radikalen Einschnitten, die neben den Problemen im Bankensektor die Gefahr einer Abwärtsspirale beim Wachstum bergen. Darüber hinaus dürfte wegen der engen Wechselbeziehung zwischen Wirtschaftswachstum und Steuereinnahmen die Unsicherheit über den wahrscheinlichsten Kurs zur Senkung des Haushaltsdefizits zunehmen.


Aktuelle Krise stellt Staatsanleihen als Anlageklasse in Frage

  • Bis vor kurzem galten Staatsanleihen als eine Art hochwertiges Geldersatzmittel. Banken nahmen sie als Sicherheit bei Finanzierungen entgegen, und der Aufsicht unterstehende Kreditinstitute halten einen erheblichen Teil ihres regulatorischen Eigenkapitals in Form von Staatsanleihen.
  • Wegen der Finanzkrise sind die Staatseinnahmen in vielen Ländern weggebrochen, während gleichzeitig die Kreditaufnahme der öffentlichen Hand deutlich zugenommen hat. Das wiederum veranlasst Investoren dazu, Staatsanleihen heute mit anderen Augen zu betrachten, d.h. als riskanteren Kredit, statt wie bisher als sichere Zinsanlage. Folglich sinkt ihre Bereitschaft, solche Papiere zu halten, deren vermeintliche Risiken gestiegen sind.
  • Anders als Aktienindizes „belohnen“ Anleiheindizes schlechtes Wirtschaften. Je mehr Kredite ein Land aufnimmt, desto höher die Gewichtung des Emittenten im Index. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass der Emittent bei veränderter Wirtschaftslage nicht mehr in der Lage ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Anders ist dies bei Aktienindizes, die in der Regel gutes Wirtschaften „honorieren“, denn mit dem Wachstum eines Unternehmens steigt dessen Gewichtung im Index.
  • Als Reaktion auf diesen Trend und die Notwendigkeit, das Länderrisiko effektiv einschätzen zu können, haben wir von BlackRock einen eigenen Index zur Anfälligkeit von Länderrisiken entwickelt: den BlackRock Sovereign Vulnerability Index.


Wie geht es weiter?

  • Die mit dem Übergang ins Jahr 2011 bereits angeschlagene Weltwirtschaft wurde im neuen Jahr von diversen Schockwellen überrollt wie dem arabischen Frühling mit anschließendem Ölpreisanstieg und dem verheerenden Erdbeben und seinen Folgen in Japan. Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde das BIP-Wachstum weiter bremsen. Trotzdem aber verharren die impliziten Volatilitäten am Aktienmarkt deutlich unter den im letzten Jahr oder nach dem Erdbeben in Japan gesehenen Niveaus.
  • Noch zu Frühlingsbeginn hatten Volkswirte der Eurozone für 2011 ein Wachstum von 3,5% vorhergesagt. Das könnte inzwischen eher bei unter 2% liegen.
  • In Europa hat das Bankensystem größeren Anteil am Kreditwachstum als in den USA. Inzwischen arbeiten die europäischen Banken an der Sanierung ihrer Bilanzen und der Einhaltung der Basel III-Kriterien. Mit rückläufigem Kreditwachstum ist deshalb zu rechnen. Auf der anderen Seite halten Banken im großen Stil Staatsanleihen und sind deshalb besonders anfällig für Ausfallrisiken und stärker schwankende Anleihekurse. Damit haben Länderrisiken direkte Auswirkungen auf die Banken, die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten und damit die künftigen Wachstumsraten.
  • Die Hauptsorge der Teilnehmer an den europäischen Aktienmärkten gilt den Folgen der Staatsschuldenkrise auf Bilanzen, Liquidität und Finanzierungskosten der Banken und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Wegen der hohen Unsicherheiten über die Folgen der Krise für die Banken hinkt die Branche bereits seit mehr als 18 Monaten dem Gesamtmarkt deutlich hinterher. Sicher gibt es in Europa noch diverse Banken, die um eine Kapitalerhöhung nicht herum kommen werden. Aber der Großteil der börsennotierten Großbanken in Europa hat im letzten Jahr angemessene Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Kapitalaufnahme zu vermeiden.
  • Für den Zeitraum seit Jahresbeginn können die europäischen Aktienmärkte eine leicht positive Bilanz vorweisen. Dabei dürften die Bewertungen europäischer Aktien auch in nächster Zeit den Markt stützen. Der Grund sind KGVs von etwa 10,5, die im historischen Vergleich und auch gegenüber anderen etablierten Märkten wie den USA sehr niedrig sind. Außerdem erwirtschaften europäische Unternehmen ca. 50% ihres Umsatzes außerhalb der Eurozone. Inhaber europäischer Aktien sind über diese deshalb in der Regel auch außerhalb der Grenzen Europas engagiert.
  • Soeben hat die Berichtssaison zum zweiten Quartal begonnen. Wegen der höheren Kosten im Einkauf und der schwächeren Nachfrage im zweiten Quartal rechnen wir hier und da mit negativen Ergebnissen. Aber viele Unternehmen entwickeln sich prächtig, so dass wir sicher auch Korrekturen nach oben sehen werden.
  • Für 2011 gehen wir von einem Gewinnwachstum in Europa in Höhe von 11% aus. Dieser Wert liegt wegen der leichten Abschwächung der Weltwirtschaft im zweiten Quartal und des geringeren Wachstums an der Peripherie Europas etwas unter unserer Prognose vom Jahresbeginn.
  • Völlig offen ist derzeit noch, wie die Beteiligung privater Investoren in der aktuellen Schuldenkrise und auch künftig aussehen wird. Mehr Transparenz zur Höhe des Engagements würde sicher dazu beitragen, die Unsicherheit der Anleger etwas zu zerstreuen. 
  •  Ein wie auch immer gearteter Schuldenerlass und die Anerkennung von Verlusten wären ein Beitrag zur Lösung der Krise. Diskutiert werden derzeit zwei Vorschläge: Der eine sieht die Ausweitung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) vor, damit diese (vorbehaltlich einer Genehmigung) auch Anleihen am Primär- und Sekundärmarkt kaufen kann. Der andere beinhaltet die Ausdehnung des EZB-Anleiheankaufprogramms, von dem in der Vergangenheit bereits Griechenland, Portugal und Irland profitierten, auf Spanien und Italien. Die Qualität der Vermögenswerte, die die EZB im Gegenzug als Sicherheiten akzeptiert hat, gibt vielen aber bereits heute Anlass zu großer Sorge, weshalb die europäischen Währungshüter davon absehen könnten, weitere Anleihen fragwürdiger Qualität auf ihre Bilanz zu nehmen.
  • Das Problem der hohen Staatsverschuldung betrifft aber nicht nur die Eurozone. Ungeachtet zäher Verhandlungen zeichnet sich in Amerika bislang noch keine Lösung im Streit um die Anhebung der Schuldengrenze ab. Deswegen hat Moody’s seine Bestnote von Aaa für die USA wegen einer möglichen Herabstufung bereits auf seine Beobachtungsliste gesetzt. Damit trägt die Ratingagentur der Möglichkeit Rechnung, dass die gesetzliche Schuldengrenze nicht rechtzeitig, d.h. bis zum 2. August, angehoben werden könnte. Ein Zahlungsausfall wäre die Folge. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass die Vereinigten Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Für den Markt aber ist es extrem schwierig, dies richtig einzupreisen. Wir vertrauen auch weiter auf die feste Bereitschaft der USA zum Schuldendienst und gehen davon aus, dass eine mögliche Unterbrechung wegen politischer Querelen nur vorübergehender Natur wäre.
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    Quelle für sämtliche Angaben: BlackRock Datastream Juli 2011

Dieser aktuelle Kommentar basiert auf den Einschätzungen folgender leitender Investmentspezialisten von BlackRock: Robert Fairbairn, Leiter der Global Client Group; Ewen Cameron Watt, leitender Investment-Stratege des BlackRock Investment Institutes; Peter Fisher, Leiter des Bereichs Fixed Income Portfolio Management; Bob Doll, leitender Aktienstratege, und Richard Turnill, Leiter des Global Equities Teams.
 
Seit Anfang August haben die Schwankungen an den Finanzmärkten massiv zugenommen und damit die Aktienmärkte zunächst auf Talfahrt und anschließend auf Achterbahnfahrt geschickt. Gleichzeitig schnellten die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen auf neue Hochs, während diverse US-Staatsanleihen so niedrig rentierten wie noch nie in diesem Jahr. Diverse Faktoren haben im Zusammenspiel das Vertrauen der Anleger nachhaltig erschüttert. Hierzu gehören schwache Konjunkturdaten, die auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft hindeuten, die wachsende Angst vor einer Ausbreitung der Staatsschuldenkrise auf Spanien und Italien und schließlich die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Amerikas von AAA auf AA+ durch Standard & Poor’s (S&P).

Ratingagentur entzieht USA die Bestnote

  • Am Abend des 5. August gab S&P nach Handelsschluss die Herabstufung seines Langfrist-Ratings für US-Staatsanleihen von AAA auf AA+ bekannt, versehen mit einem negativen Ausblick. Bislang haben die anderen Ratingagenturen nicht nachgezogen, so dass Amerika nun über unterschiedliche Ratings für seine langfristigen Verbindlichkeiten verfügt.
  • Bei BlackRock haben wir uns eingehend auf die Möglichkeit einer solchen Herabstufung, die S&P bereits vor etlichen Wochen erstmals angedeutet hat, vorbereitet und unsere Portfolios entsprechend positioniert. An unsere Analysten stellen wir die Erwartung, dass sie den Ratingagenturen voraus sind, statt auf deren Maßnahmen zu reagieren. Vor einiger Zeit haben wir deshalb bereits damit begonnen, die Qualität und Liquidität unserer Anleiheportfolios anzuheben. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie immun gegen die in den letzten Wochen zu beobachtenden Turbulenzen sind.
    •        Den Entzug der Bestnote durch S&P werten wir als weiteres Signal an die Anleger, dass das aktuelle Wirtschaftsumfeld mit zunehmenden Unsicherheiten behaftet ist. Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten sind äußerst schwach ausgefallen, einzige Ausnahme war der Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag. Das US-BIP bleibt deutlich hinter der Prognose der US-Notenbank (Fed) für 2011 von 2,7-2,9% [1] zurück, die im Juni bereits von zuvor 3,1-3,3% [2] nach unten korrigiert worden war.
    •        Angesichts dieser Rahmenbedingungen dürfte sich eine Straffung der Geldpolitik durch den Offenmarktausschuss (FOMC) noch weiter hinauszögern. Die jüngste Rally bei US-Staatsanleihen ist nicht zuletzt Ausdruck dafür, dass immer weniger Marktteilnehmer kurzfristig mit einer Zinserhöhung rechnen. Außerdem suchen Anleger zunehmend nach einem sicheren Hafen in diesen so unsicheren und turbulenten Zeiten.


Staatsschuldenkrise in der Eurozone

  • Die Überschuldung einiger europäischer Länder birgt aus unserer Sicht deutlich größere Gefahren für das Vertrauen der Märkte als die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Amerikas durch S&P. Die Angst vor einer Ansteckung anderer Länder an der Peripherie der Eurozone hat die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sprunghaft steigen lassen. Und inzwischen sind sogar die Risikoaufschläge französischer und belgischer Staatspapiere gegenüber Bundesanleihen leicht gestiegen.
  • Am 5. August ließ deshalb der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wissen, dass Italien seine Sparbemühungen verstärken und bereits 2003 einen ausgeglichenen Haushalt anstreben werde.
  • Wie allseits erwartet, ließ die Europäische Zentralbank (EZB) in der letzten Woche ihren Leitzins unverändert bei 1,5%. Als Reaktion auf den zunehmenden Druck auf spanische und italienische Renditen reaktivierte sie jedoch ein Instrument aus der letzten Krise. Hierbei handelt es sich um die Neuauflage des 6-Monat-Tenders mit voller Zuteilung sowie die weitere Bereitstellung kurzfristiger Liquidität mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr in unbegrenzter Höhe, jeweils im Rahmen ihrer Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Zudem wird die Europäische Zentralbank ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen wiederbeleben, das sie in den letzten Monaten auf Eis gelegt hatte.
  • Die EZB hatte Anfang August bekannt gegeben, dass sie erneut Staatsanleihen aus Italien und Spanien kaufen wird. Wir halten dies für eine zeitlich befristete Maßnahme, bis die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) im September von den Parlamenten aller 17 Euro-Mitglieder verabschiedet worden ist.
  • Mit dieser Intervention ist es der EZB gelungen, die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen zu drücken. Sollten Spanien und Italien aber zu einem späteren Zeitpunkt unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, würde das dessen Rahmen sprengen, denn dann müssten Frankreich und Deutschland für 80% der Garantien geradestehen.
    •        Mit der Zurückstufung der US-Bonitätsnote durch S&P hat sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf andere Länder mit Top-Rating verlagert, die ebenfalls Gefahr laufen könnten, ihre Bestnote einzubüßen. Besonders Frankreich ist ins Visier der Märkte geraten.
    •        In Europa dürfte das Wachstum 2012 schwächer ausfallen, als die meisten Marktbeobachter bislang erwarten. Neben dem herben Schlag, den die Staatsschuldenkrise dem Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher versetzt hat, könnte das sich abschwächende weltweite Wachstum die bislang robuste Exportnachfrage in den nordeuropäischen Ländern bremsen.

Aktienmärkte – USA

  • Der S&P 500 Index ist inzwischen mit einem KGV von ca. 12 äußerst niedrig bewertet. Ein so niedriges Niveau markierte der Index zuletzt vor Jahrzehnten, als 10-jährige US-Staatsanleihen bei etwa 8% rentierten [3].
  • Unterdessen haben bereits die meisten Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgelegt.  Dabei haben 75% von ihnen die Gewinnerwartungen und 72% die Umsatzerwartungen [4] übertroffen.

Aktienmärkte – weltweit

  • Wir beobachten derzeit die Fortsetzung von zwei zentralen Trends: die Verschiebung der Wirtschaftsmacht aus den westlichen Ländern in den Osten und die sich ändernde Wahrnehmung von Staaten im Vergleich zu Unternehmen.
  • In Europa und Japan hat der Prozess der Gewinnkorrekturen nach unten bereits begonnen, nicht so in den USA. Ein Anstieg der potenziellen Kapitalkosten würde jedenfalls den Ausblick für das Wirtschaftswachstum weiter trüben.
  • Viele Unternehmen verfügen nach wie vor über hohe Barmittel, insbesondere im Vergleich zu vielen Staaten. Zwar sind Aktien attraktiv bewertet. Das bedeutet aber auch, dass ihre Risikoprämien hoch sind. Günstige Bewertungen ziehen in turbulenten Zeiten nicht zwangsläufig unmittelbar eine Markterholung nach sich. Wir bevorzugen daher Qualitätsaktien, denn der jüngste Ausverkauf hat wahllos alle Segmente gleichermaßen abgestraft, ungeachtet ihrer Cash-Positionen. Zudem favorisieren wir Engagements an den Schwellenländern.


Was Anleger bedenken sollten

  • Die Verschuldung des Privatsektors ist deutlich geringer als 2008.
  • Gleichzeitig müssen Terminanleger aufgrund der massiven Kurseinbrüche und hohen Schwankungen ihre Barsicherheiten auf Kosten von Aktien erhöhen. Daraus resultiert eine Verkaufsspirale, in deren Verlauf die Bewertungen auf übertrieben tiefe Niveaus fallen.
  • Inzwischen hat sich der Großteil der Verbindlichkeiten in den öffentlichen Sektor verschoben, weshalb mit deutlich weniger Pleiten zu rechnen ist.
  • Die politischen und fiskalischen Tatsachen können nicht länger ignoriert werden: Die Länder im Westen müssen ihre hohe Staatsverschuldung senken.
  • In der aktuell schwierigen Lage werden die Zentralbanken so positiv reagieren wie es ihnen möglich ist. Denn sie wissen, dass die Geldpolitik ihren Beitrag leisten muss, um den enormen Druck zum Schuldenabbau auf die Regierungen abzumildern.
  • Um das Länderrisiko effektiv einschätzen zu können, haben wir von BlackRock einen eigenen Index zur Anfälligkeit von Länderrisiken entwickelt: den BlackRock Sovereign Vulnerability Index.

Der BGF World Mining Fund hat am vergangenen Donnerstag, den 22. September 2011, im Zuge der sich zuspitzenden Marktsituation eine sehr starke Korrektur von über 10% erlitten hat. 10% Kursrückgang an einem einzigen Tag - ist das rational nachvollziehbar? Erste Erinnerungen an die Situation in 2008 werden wach, und es stellen sich viele Fragen. Wichtig ist, analog zu 2008 rational zu handeln und die fundamentalen Rahmendaten des jeweiligen Investments im Blick zu haben. Warum sind Bergbau-Aktien - auch und gerade im aktuellen Marktumfeld - mittel- und langfristig eine sinnvolle und attraktive Anlageform?

Weltweit haben Anleger Bergbau-Aktien auf breiter Front verkauft, weil einerseits eine breite Flucht aus Aktien in liquidere, scheinbar sichere Anlageformen zu beobachten war und andererseits große Sorgen bestehen, ob sich die rezessiven Tendenzen wirklich bewahrheiten und dann auch Edel- und Industriemetalle weniger nachgefragt werden und im Preis fallen sollten. Die Verschuldungsproblematik der westlichen Welt, die mangelnde politische Entscheidungsfähigkeit und die intransparenten Entscheidungsprozesse in Brüssel, Frankfurt und Washington - geprägt von politschem Kalkül - führen zu dieser extremen Unsicherheit und hohen Volatilität an den Märkten. Letzteres ist auch der Tatsache geschuldet, dass EU und Eurozone noch sehr jung und von unterschiedlichsten Kulturen, Sprachen, Systemen, Emotionen, politischen Charakteren und wirtschaftlichen Interessen geprägt sind.

Die Antwort auf diese Fragen können nur kluge Kompromisse und leider auch unvermeidbare Entbehrungen sein. Allerdings sind wir der Meinung, dass diese Punkte langfristig keine signifikanten Auswirkungen die Angebots- und Nachfragesituation und damit verbundene Preisgestaltung auf dem Rohstoffsektor haben werden. An den Märkten setzt sich zudem zunehmend die Meinung durch, dass Rohstoffaktien klassische Sachwertanlagen darstellen, da die Konzerne reale Werte schaffen und aus der Erde explorieren. Wie insbesondere in der letzten Dekade zu beobachten war, liegt ein Großteil der weltwirtschaftlichen Dynamik in den Schwellenländern, allen voran in China.

Die Volksrepublik besitzt die höchsten Devisenreserven der Welt und investiert aufgrund der zunehmenden Unsicherheit in den USA, Europa und Japan lieber in die eigene Infrastruktur, um auf diese Weise in den kommenden Jahren zur weltweit stärksten Wirtschaftsmacht aufzusteigen. Diese Dynamik - getrieben durch die staatlichen Infrastruktur-Investitionen, verbunden mit dem enormen demografischen Konsum-Effekt - führt zu vollen Auftragsbüchern im Rohstoffsektor.

Einige Zahlen und Fakten zur Volksrepublik China:

• zur Zeit gibt es dort 175 Millionenstädte mit circa 600 Millionen Einwohnern
• die Devisenreserven der Volksrepublik China sind auf 3,2 Billionen US-Dollar angewachsen
• das Wirtschaftswachstum wird 2011 bei ca. 9,3% liegen • das erwartete BIP-Wachstum für das Jahr 2012 wird auf etwa 8,8% geschätzt
• bis zum Jahr 2015 wird das chinesische Wirtschaftswachstum um circa 7% p.a. steigen
• die Exportüberschüsse von 68,8 Milliarden US-Dollar werden insbesondere für strategische Zukäufe und Beteiligungen auf dem Rohstoff-Sektor genutzt (wie z.B. Petrobras, Rio Tinto, Itaminas, Bauxit Mining oder Penn West)
• bis zum Jahr 2025 werden 75.000 km neues Straßennetz und 150 Flughäfen gebaut Ein weiterer Aspekt ist die steigende Nachfrage nach Gold, welche auf ein stagnierendes Angebot trifft.

Trotz des hohen Goldpreises gelingt es den Minenbetreibern kaum noch, ihre Goldproduktion auszuweiten. Dafür fahren sie zur Zeit ungeahnt hohe Gewinne ein, die sich nicht in der Bewertung der Minenbetreiber widerspiegeln. In den vergangenen Monaten sind Goldminenwerte dem Goldpreis deutlich hinterhergehinkt und bergen nachhaltiges Aufwertungspotenzial. Bergbaukonzerne sind aktuell signifikant unterbewertet. Sind dennoch weitere Kursverluste wahrscheinlich? Aussteigen oder Nachkaufen?

Unser BGF World Mining Fund allokiert seit seiner Auflegung im Jahr 1997 Unternehmen, die von ihrer starken Wettbewerbsposition und Preisgestaltungs-Fähigkeit profitieren. In einem oligopolistischen Marktumfeld werden die Minenwerte aktuell mit einem KGV von unter 5 (!) gehandelt.

Vergleichbare, fundamental unberechtigt tiefe Bewertungen haben wir nur einmal gesehen, nämlich unmittelbar nach der Lehman Brothers-Pleite im ersten Quartal 2009, als wir für große, bestens aufgestellte und diversifizierte Minenkonzerne wie Rio Tinto, Xstrata und BHP Billiton ein KGV von etwa 3 vermelden mussten. Dies waren unglaubliche Tiefststände. Als aber rationales Handeln auf das Börsenparkett zurückkehrte, stieg auch unser BGF World Mining Fund innerhalb von wenigen Monaten um mehr als 100%.

Treue Anleger, die die Position gehalten hatten, haben die Korrektur ohne größere Schmerzen überstanden und konnten zudem die Gelegenheit für sehr günstige Zukäufe nutzen.